Dossier

“Ds Wasser chunnt!“

Immer wieder hallte dieser Warnruf über die Ebenen des Dreiseenlandes. Für die Betroffenen der Kantone Bern und Solothurn kam dies einer beinahe apokalyptischen Ankündigung von Not und Elend gleich. Was die Menschen dieser Gegend immer wieder neu durchleiden mussten, ist für heutige Generationen schwer nachvollziehbar!

Die Idee

Das Schloss Nidau ist in unserem Kanton ein historisch wichtiger Ort. Nicht die Stadt Biel spielte während Jahrhunderten die wichtigste Rolle am See, sondern die kleine Stadt Nidau mit seinem Klotz von einem Schloss, umgeben von Flüssen und Kanälen – Little Venice am Nidauer See, wie er während Jahrhunderten hiess. Die Stadt Nidau brachte Bürger hervor, die im Kanton und in der Schweiz Grosses leisteten. Erst als die Wasserkraft der Schüss, die wie ein natürlicher Kanal aus der Juraschlucht hervorströmt, als Energieträger verwendet werden konnte, entwickelte sich Biel, wurde zur Industriestadt und überflügelte in seiner Bedeutung Nidau. Sogar der Name des Sees musste diesem Umstand Tribut leisten.

Heute steht das Schloss Nidau zwar auf dem Trockenen, es ist nun umgeben von einem kleinen, aber feinen Park. Stolz steht es wie ehedem, zwar nicht mehr bewohnt vom Bernischen Landvogt und seinen Knechten, dafür hat es der Regierungsstatthalter mit seinen Büros in fester Hand, was eigentlich auf dasselbe herauskommt, nur dass heute dem nicht gesetzeskonformen Bürger eher Bussen drohen, und nicht gleich der Verlust des Kopfes.

Der Park hinter dem Schloss, zentral gelegen und vom öffentlichen Verkehr gut erschlossen, ist eine ruhige Oase und bietet sich geradezu an für kulturelle Anlässe. Schon früher wurde er genutzt, zum Beispiel für die unvergessenen Filmabende im Sommer.

Genau an dieser geschichtsträchtigen Stelle, mitten im Wohngebiet der Agglomeration Biel/Nidau, möchte der dazu eigens gegründete „Verein Schlossparktheater“ im Sommer 2020 ein historisches Theaterstück produzieren, das zu diesem Zweck geschrieben worden ist und von einem Theaterteam, bestehend aus Profis und Amateuren, aufgeführt werden soll.
Thema ist die Auswanderungswelle des 19. Jahrhunderts, ausgelöst durch Not und Elend der Aarehochwasser, durch Sumpffieber und Armut im Seeland, durch politische Unruhen im Land. Wir werden den Nidauer Koryphäen Dr. Johann Rudolf Schneider und Ulrich Ochsenbein begegnen und mit einem jungen Paar zusammen die Überfahrt nach Amerika wagen. Die Reise führt uns von Nidau über den Ozean nach New York.

Die Fakten

Das Seeland war von mäandrierenden Flüssen durchzogen. Aus den Alpen hervor brach die mit der Saane vereinte Aare, aus dem Jura kam die Schüss. Das Geschiebe der Flüsse verstopfte mehr und mehr den eigenen Abfluss, das Seeland füllte sich mit jedem Hochwasser mehr mit Grien. Allein im 19. Jahrhundert kam es zu über 50 Überschwemmungen. Mehrere Projekte versuchten Wege zu zeigen, wie diesem Elend Abhilfe geschaffen werden könnte.

Der Nidauer Stadtarzt, Dr. Johann Rudolf Schneider aus Nidau, der in den Berner Regierungsrat gewählt wurde, schrieb unter dem Titel „Gespräche über die Überschwemmungen im Seelande der westlichen Schweiz; über die Mittel zur Austrocknung und zum Ausbau seiner Sümpfe und Mööser“ eine eindringliche Schilderung der Lage.

Ulrich Ochsenbein, der später Regierungsrat, Nationalrat und Bundesrat wurde, unterstützte Schneider anfänglich. Der Bündner Ingenieur La Nicca legte dar, wie mit der Umleitung der Aare in den Bielersee und dessen Absenkung um zwei Meter das Grosse Moss entsumpft werden könnte.

Genau in dieser Zeit kam es zum eidgenössischen Bruch entlang der Konfessionsgrenze. Die katholischen Stände entwickelten sich in Richtung Konservativismus, die protestantischen waren liberal und zum grossen Teil zunehmend radikal ausgerichtet. Mehr oder weniger geordnete, von den protestantischen Ständen halbherzig unterstützte, aber geduldete Freischarenzüge gegen die katholischen Orte läuteten den kurzen, aber heftigen Sonderbundskrieg ein.
Der oben erwähnte Ulrich Ochsenbein aus Nidau spielte als Berner Stratege und Haudegen eine hervorragende Rolle. Als der Krieg beendet und die Sonderbundsorte besiegt waren, war er es, der sich vehement für die Rechte der unterlegenen Stände einsetzte
und so den Frieden im Land sicherte. Die Bundesverfassung von 1848 trägt stark seine Handschrift.

Während der Epoche der Überschwemmungen, der politischen Unsicherheit, der Armut und des Elends entschlossen sich viele Menschen im Seeland, aber auch aus der ganzen Schweiz und Europa zur Auswanderung nach Amerika, nach Russland oder Südamerika.

Genau in dieser spannenden, den heutigen Bürgerinnen und Bürgern wenig bekannten Zeit, spielt die Geschichte, die wir auf der Bühne erzählen wollen.

Der Spielort

Das Schloss grenzt sich im Südwesten zum Schlosspark mit einer hohen Mauer ab. Ein prominentes Tor durchbricht diese Mauer.
Die linke Seite ziert ein wunderschönes, von der Stadtgärtnerei gepflegtes Efeuherz. Davor liegt eine erhöhte Rasenfläche. Hier wird unser Stück aufgeführt.
Im Rasen kommt die Tribüne für 600 Zuschauende zu stehen. Die Garderobe wird in Containern im Schlossgarten eingerichtet, die Schlossgarage kann als Requisitenraum und für die Maske genutzt werden. Die Spielenden erreichen
die Bühne via einen Übergang, der über die südliche Schlossmauer temporär
errichtet wird.

Die Bühne

Wir verzichten auf eine naturalistische Darstellung der Szenerie. Mittels Bauteilen, die vor dem Publikum nach Bedarf umgesteckt werden können, stellen wir abstrakt ein Bauernhaus, ein Schiff oder die Baustelle New Yorks dar. Die Beleuchtung ist uns wichtig, Kostüme und Requisiten sind naturalistisch. Musik und ein Chor gehören ebenfalls zur Produktion.